„Die Liebe stand immer im Mittelpunkt“

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Ines ist Philosophin und Traurednerin aus Düsseldorf. Ihrer eigenen ganz großen Liebe begegnete sie bereits im Alter von 15 Jahren auf einer Geburtstagsfeier…

„Die Liebe schafft es, zwei Menschen zusammenzubringen. Sie ist mein größtes Alltagswunder…“

Wie würdest du dein Leben bisher zusammenfassen?

Ich glaube man kann sagen, dass die Liebe für mich und mein Leben schon immer das wichtigste war.

Geboren wurde ich in Düsseldorf, meine Jugend habe ich aber in einem kleinen Dorf in Baden Württemberg, nahe der schweizerischen Grenze am Bodensee verbracht. Das war eine sehr idyllische Zeit für mich. Auf einer Geburtstagsfeier habe ich meine große Liebe das erste Mal gesehen. Ein paar Monate später trafen wir uns wieder, weil ich mir eine CD von ihm ausleihen wollte. Ich war damals 15 Jahre alt und er 18. Wir durchlebten die ganzen Wirren der Pubertät miteinander und obwohl er meine erste Liebe war und man da annehmen könnte, dass man „noch etwas anderes“ ausprobieren wollen könnte, war das bei mir nicht der Fall. Irgendwie wusste ich, dass es keinen Besseren für mich gibt.

Nachdem ich mein Wirtschaftsabitur gemacht habe, sind wir gemeinsam in meine Geburtsstadt Düsseldorf zurückgekehrt, wo ich dann Philosophie an der Heinrich Heine Universität studiert habe. 2015 habe ich mich schließlich selbstständig gemacht und arbeite seit dem als freie Traurednerin. Die Philosophie ist dabei die Grundlage meiner Trauungen. Sie bietet die Möglichkeit eine Hochzeit ohne konfessionellen Rahmen und ohne Ausgrenzung vom Glauben und dem Geschlecht durchzuführen.

Die Trauung wird individuell auf die Geschichte des Brautpaars konzipiert und die Liebe steht im Mittelpunkt von jeder Zeremonie. Das ist Berufung für mich, nicht Beruf.

Was sind für dich Alltagswunder?

Jedes Erlebnis, dass mit Liebe gefüllt ist. Ein Lächeln auf dem Weg zur Arbeit ist gold wert. Ein nettes Gespräch beim Kaffeetrinken. Das sind für mich jedes Mal ein Wunder. Wenn Menschen frei und ungezwungen von der Liebe ihres Lebens erzählen, vergessen sie – und wenn es nur für ein Moment ist – alle Sorgen, jede Krankheit und können sich voller Freude und Zuversicht auf das stärkste Gefühl konzentrieren. Die Liebe.

Was war bisher dein größtes Wunder?

Der Heiratsantrag von meinem Mann. Für mich war schon am Beginn der Beziehung klar, dass ich ihn heiraten möchte. Er hat aber immer gesagt, dass er nie heiraten möchte. Zu meinem Schnapszahl-Geburtstag nach 7 Jahren Beziehung hat er mich völlig überwältigt. Er hat mich anlässlich meines Geburtstages abends auf den Rheinturm in Düsseldorf zu einem Drei-Gänge Menü eingeladen. Man muss dazu sagen, dass der Rheinturm eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Er war für mich seit der Kindheit ein Symbol für Licht. Wenn ich ihn nachts angeguckt habe, weil ich nicht schlafen konnte, wusste ich: Es geht weiter. Egal wie. Er hat mich sozusagen beschützt in meiner kindlichen Vorstellungskraft.
Nicht zu Letzt wegen seiner atemberaubenden Aussicht ein perfekter Ort für mich ganz persönlich zugeschnitten.

Ich ahnte von dem Antrag allerdings wirklich nichts. Er hat sich absolut nichts anmerken lassen. Er aß den ganzen Abend nicht besonders viel. Ich dachte ihm schmeckt das Essen dort nicht. Das Dessert (ein Sorbet) löffelte er allerdings mit 2 Happen weg. Sehr merkwürdig.
Als ich nach der Rechnung fragte, meinte er, er müsse mich zuerst etwas fragen. Dann ging er auf die Knie und holte eine kleine rote Schatulle aus seiner Anzugtasche. Er erzählte mir, wie sehr er mich liebt und dass er sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen möchte. Und hat mich gebeten seine Frau zu werden. Ich konnte vor lauter Überraschung nicht mal antworten, sondern habe ihn mir gleich geschnappt und umarmt. Er musste noch einmal fragen, weil er ein klares JA hören wollte.

Im siebten Himmel sind wir noch immer, auch wenn wir die Höhenmeter vom Rheinturm hinter uns gelassen haben.

Worüber hast du dich heute besonders gefreut?

Über eine Whatsapp von meinem Mann. Der mit mir Pläne für das bevorstehende Wochenende besprochen hat. Wir haben uns sozusagen zu einem Date verabredet. Auch nach 8 Jahren fühlt es sich wirklich toll an.

Du hast ein Tattoo an deinem rechten Arm. Verrätst du uns, was es bedeutet?

Natürlich. Meine zwei Schalben am Arm – zuerst habe ich mir eine stechen lassen, weil sie für mich Freiheit symbolisiert – und diese Freiheit habe ich mir bewusst an eine Stelle setzen lassen, die jeder sehen kann. Aber weil man sagt „eine Schwalbe macht den Sommer nicht“ und mit der Verlobung von meinem Mann, kam die zweite dazu, weil ich nicht mehr alleine durch das Leben fliegen möchte.

Wo finden wir dich?

Ich bin viel in der Landesbibliothek unterwegs – sie ist sozusagen mein zweites Büro: Der Duft der Bücher, die ruhige Arbeitsatmosphäre und die Verzweiflung, dass ein ganzes Leben für das Lesen all dieser Bücher nicht ausreichen wird…. Es ist wirklich schön dort.

Am Wochenende gehe ich gerne auf den Wochenmarkt am Carlsplatz – dort findet man wundervolle Gewürze, unglaublich viele süße Leckereien und frische Lebensmittel – eine tolle Atmosphäre. Ansonsten wird bei dem kleinsten Sonnenstrahl in der Altstadt ein Altbier getrunken oder es geht ab auf die Kasematten – das sind die Zelte am Rhein.

Virtuell findet man mich natürlich auf meiner Website www.philosophylove.de und bei Facebook, Instagram und Pinterest.

Portraits-Fotos und Love-Schriftzug: Hochzeitsfotografin Ramona Müller / Foto Rheinturm: Steffen Seth Prohn

 

Nur aus Liebe entstehen die tiefsten Einsichten.

Friedrich Nietzsche

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