„Der Körper ist für mich das größte Wunder“

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Für die meisten jungen Menschen ist ein gesunder Körper eine Selbstverständlichkeit. Marcel lebt seit seiner Geburt mit einem Herzfehler und musste mehrfach reanimiert werden. Der Nahtod war für ihn ein Alltagswunder, genauso wie das Geschenk, wiederkommen zu dürfen…

 

Wie war dein Lebensweg bisher?

Meinen bisherigen Lebensweg würde ich als eine gewaltige Achterbahnfahrt beschreiben. Mit allen Höhen und Tiefen und sämtlichen Loopings.

Die erste Talfahrt hatte ich bereits direkt nach meiner Geburt. Einige Stunden später. Ich wusste noch nicht einmal was Leben bedeutet, als es beinahe schon wieder vorbei war. Ich war ganz blau angelaufen und man bemerkte, dass mit meinem Herzen irgendetwas nicht stimmt. Es funktionierte nicht, wie es sollte. Ich wurde zwei Mal am Herzen operiert und meine Kindheit verlief dann trotzdem, soweit ich mich erinnere, ganz normal. Ich bin wie jedes andere Kind in den Kindergarten und zur Schule gegangen, hatte dort auch meine ersten Freunde und Spaß am Leben. Die „Probleme“ fingen alle erst im Teenageralter an. Das ruft in mir immer wieder den Satz hervor: „Früher war alles besser.“ Und aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass das wohl wirklich so war, sofern meine Erinnerungen nicht trügen. Es war früher sorgenfreier.

Mit zunehmendem Alter machte das Herz immer mehr Zicken.  Immer mal wieder bekam ich Herzrhythmusstörungen, die aber am Anfang nicht schlimm waren. 2011 änderte sich mein Zustand schlagartig.  Ich war 23 Jahre alt und musste zwei mal reanimiert werden. Mir wurde das Leben wiedergeschenkt, soviel weiß ich heute mit 27 und ich bin auch dankbar dafür. Aber damals war ich sehr verwirrt und konnte mich von diesen Erlebnissen und Erfahrungen nur schwer erholen. Dieses Ereignis und die Angst vor dem Tod lassen mich bis heute nicht los.
Seit dem habe ich einen kleinen „Lebensretter“ dabei. Einen Defibrillator, der mich immer und immer wieder vor dem herzbedingten Tod retten soll und schon einige Male ausgelöst hat. Ich bin mir ziemlich sicher dass ich mit dem „Fast-Tod“ heute lockerer hätte umgehen können als mit 23 und vielleicht etwas unbeschwerter leben könnte, aber gleichzeitig ist alles ok so, wie es war und gekommen ist.

Ich stelle mir nie die Frage: „Was wäre wenn?“
Egal ob gesund oder krank, man hat sein Leben selbst in der Hand und die Aufgabe, etwas daraus zu machen. Ich lebe ein ganz normales Leben wie jeder andere auch, nur eben mit kleinen „Ereignissen“ zwischendurch.

Kannst du dich erinnern, wie das war, als du reanimiert wurdest?

Ja. Es war wie ein schöner Traum. Ahne Angst, alle Freunde waren da und sie haben mir zugeprostet als ich ins Licht gehen wollte und dann verschwamm alles als ich aufwachte. Wie bei einem Bild mit Wasserfarben.

Der Tod ist also auch so etwas wie ein Alltagswunder.

Ja.

Was sind Alltagswunder für dich?

Alltagswunder sind nicht genau definierbar und können durchaus auch Dinge und Situationen sein, die man selbst gar nicht als Wunder wahrnimmt. Du merkst es vielleicht erst wenn dich die besagten Situationen und Dinge in deinem Leben weitergebracht haben bzw. dich als Mensch bereichert haben. Viele laufen Gefahr und meinen Wunder seien physischer Natur, aber dies ist nicht unbedingt der Fall. Zu leben ist ein Wunder, trotz schwerer Erkrankung zu leben ist ein Wunder, Träume zu erreichen sind Wunder.

Wie sieht dein Alltag aus?

Mein Alltag besteht aus einem trüben Vormittag, an dem ich meinem Hauptberuf als Bürokaufmann nachgehe. Meinen Nachmittag versuche ich dann bunt und farbenfroh zu gestalten. Vor einiger Zeit habe ich dies noch in Form eines Backblogs realisiert. Momentan konzentriere ich mich auf mich selbst, male und lese gern, höre viel Musik und versuche auch im Bereich Kreativität wieder Fuß zu fassen.

Wo finden die Wunder dich?

Wunder finden mich an vielen Orten im schönen Hamburg, in Cafés oder an der Alster bei einem Spaziergang oder, gerade im Winter, in meiner Wohnung an meinem Kreativtisch, beim aushecken neuer Ideen, beim shoppen oder einfach nur auf dem Sofa.

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